Der folgende Abschnitt ist ein Auszug aus dem Buch Das Schottlandbuch


Edinburgh

Mit knapp 80 km² Bodenfläche ist die Distrikthauptstadt von Midlothian auch die politische Hauptstadt Schottlands. Bekannt durch das weltälteste und jährlich stattfindende -größte Kulturfestival ist sie verständlicherweise auch das kulturell und touristisch unbestrittene Zentrum des Landes. Dazu ist die Stadt Edinburgh auch noch eine Schönheit, die nicht leicht ihresgleichen findet! Buchstäblich gekrönt wird die Stadt durch das majestätische Edinburgh Castle, das auf einem zerklüfteten und steilemporragenden Rest eines längst erloschenen Vulkans thront.

Wie die die Karte zeigt, ist Edinburgh praktisch zweigeteilt:in die New Town, berühmt für ihre Georgianischen Herrschaftshäuser inmitten grüner Parkanlagen und die Old Town, deren einzigartige Skyline hangaufwärtes abrupt endet mit dem markanten Silhuette des Castles. Eingebettet zwischen ungewöhnlich hohen Häusern sind die malerisch mittelalterlichen Gassen und historischen Pubs. Wegen der vielen neoklassischen Gebäude ist der Vergleich Edinburghs mit dem Stadtbild Athens verständlich und so ist auch einer der beiden Spitznamen der Stadt - das "Athen des Nordens".

Sich in der rd. 470.000 (2009) Einwohner zählenden Stadt zu verlaufen ist wohl kaum möglich, denn Edinburgh ist im Kern sehr klar in seine Alt- und eine Neustadt gegliedert, deren Grenzlinie die genau von Ost nach West verlaufende Princes Street.ist.

Alt- und Neustadt werden durch eine tiefe Senke getrennt, in der heute die Bahnlinie nach Glasgow entlangführt. In diesem kleinen Tal liegen die blumenreichen Parkanlagen der Princes Street Gardens. Eine der Attraktionen ist in diesem Park die riesige Blumenuhr, die jährlich ein neues Motiv aus bis zu 20.000 Pflanzen erhält und die dazu auch noch richtig geht - sogar mit einem Kuckuck. Auf der anderen Seite der Senke führen steile Gassen durch die Altstadt hinauf zum alles beherrschenden Edinburgh Castle. Östlich vom Castle erstreckt sich die Altstadt mit steilen, engen und dunklen Gassen links und rechts der Royal Mile einen sanft abfallenden Hang entlang. Von der Royal Mile mit ihrem groben Kopfsteinpflaster führen hohe, überbaute Gänge oder „Closes" zu den z.T. noch mittelalterlichen Häusern.

In den angrenzenden und oft tiefverschachtelten Hinterhöfen verstecken sich überall zahllose Kneipen und Restaurants. Kein Wunder, daß in dieser Atmosphäre die oft recht gruseligen und aufregenden Geschichten der Stadt und des Landes auf Schritt und Tritt hautnah zu fühlen sind. Empfängliche Besucher meinen noch heute nach Sonnenuntergang die unheimlichen Ereignisse und bösen Geheimnisse um einstige Charaktere wie "Major Weir" oder "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" und Konsorten zu spüren. Im letzten Jahrhundert schrieben Robert Louis Stevenson, Robert Chambers u.v.a. herrlich spannend und oft gruselig unterhaltsam über die Menschen und Geschehnisse im alten Edinburgh.

Die Royal Mile ist buchstäblich das Rückgrat der Old Town. Dieser geschichtsträchtige Straßenzug führt vom Castle hinunter zum Palace of Holyroodhouse. Die Straße folgt dabei dem genau nach Osten abfallenden Bergrücken eines Felsens, der von Gletschern aus einem ehemaligen Vulkankegel geschliffen wurde. Der Felsen, auf dem die Altstadt wuchs, ist, genauso wie Stirling, ein Überbleibsel aus der geologischen und meteorologischen Entstehungsgeschichte des Landes. So sind die vor 350 Mio. Jahren in dieser Region aktiven Vulkane des Arthur’s Seat und Castle Rock durch die aus dem Westen fließenden Gletschermassen der verschiedenen Eiszeiten z.T. bis auf die harten Basaltkernen reduziert worden. Diese in Europa nur in Schottland zu sehende geologische Formation ist ein sog. "Craig and Tail" mit steilen Felsenklippen ("Craig") an drei Seiten und einem nach Osten auslaufenden Bergrücken ("Tail") an der vierten Seite.

Im Tal am östlichen Ende der Royal Mile angelangt, zweigt diese Straße vor dem Palast von Holyroodhouse nach Süden ab. Am zukünftigen Schottischen Parlaments vorbei führt der weitere Weg dann über eine spektakuläre Route durch den Holyrood Park und um Arthur's Seat, den zweiten erloschenen Vulkan, herum.

Hobbygeologen erhalten dort und in der neuerdings an seinem Fuß zu sehenden Ausstellung der "Dynamic Earth" einen vorzüglichen Einblick in das Alter der Erde. Sie werden daran erinnert, daß der Edinburgher Geologe James Hutton der "Vater" der Geologie" genannt wird. In den im Hintergrund sich auftürmenden Felsen gewann er vor etwas über 200 Jahren erste Erkenntnisse für die geologische Zeitrechnung. Der Ausblick von diesem Berg auf Edinburgh und die Sehenswürdigkeiten vor dem Hintergrund des Firth of Forth ist einzigartig. Abgesehen davon läßt es sich in diesem "Park der Königin" auch sehr schön wandern. Neben dem geologischen und historischen Hintergrund darf das mittlerweile über 50 Jahre "junge" und weltbekannte Internationale Festival nicht vergessen werden. So ist es sicherlich kein Wunder, daß diese Stadt mit ihrem besonderen Flair für die meisten Besucher ein Muß und auch der Hauptanziehungspunkt in Schottland ist.

Old Town

Edinurgh Castle (heute unter dem Schutz von Historic Scotland) wurde im 12. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten schottischen Burgen. Die High Street führt in die einst unabhängige Stadt Canongate. Die wiederum hatte ihren Ursprung in der Gründung der "Abbey of Holy Rood" (Abtei zum Heiligen Kreuz).

Der Bau des Palast von Holyroodhouse machte Edinburgh zu Beginn des 16. Jahrhunderts schließlich auch zur Residenzstadt und damit international salonfähig. Heute ist dieser Abschnitt zwischen Edinburgh Castle und Palace of Holyroodhouse als die "Royal Mile" bekannt. Entlang dieser Straße liegen zu beiden Seiten zahllose Sehenswürdigkeiten.

"Closes" und "Wynds", die einst zahllosen, mittelalterlichen Gassen, zweigen auch heute noch von der Royal Mile ab. Diese einzige Hauptstraße der Stadt zog sich damals freilich nur vom Burgberg über den Lawnmarket und die High Street bis zum Netherbow Gate hinunter. Jenseits davon war die Canongate, wie gesagt, eine vollkommen separate Stadt, die außerhalb des Flodden Walls - der Stadtmauer Edinburghs - lag.

Seit 1996 ist die gesamte Old und auch die New Town Edinburghs als Weltkulturerbe geschützt. Der Besuch des Edinburgh Castle, das so unendlich viel Geschichte erlebt hat und selbst so voller Geschichten steckt, ist so gut wie obligatorisch.

Ins Innere der Burganlage geht es an den Statuen der beiden größten schottischen Nationalhelden - William Wallace und Robert the Bruce - vorbei durch den wuchtigen Torbogen des Gatehouse. Direkt oberhalb des Eingangsbereichs ragt die Mauer und Brüstung der Half Moon Battery aus dem 16. Jahrhundert steil in die Höhe. Kurz hinter einer Batterie alter Schiffskanonen steht auf Mill's Mount Battery eine moderne Kanone, bekannt und berühmt als "one o'clock gun". Sie wird täglich um 13 Uhr einmal abgefeuert. Eine andere berühmte Kanone - die sechs Tonnen schwere Mons Meg - ist in den Katakomben unter der Burg zu sehen.

Die St. Margaret's Chapel, das älteste Kirchengebäude des Landes, steht auf der Spitze des Felsens. Vom dortigen Vorplatz geht der schönste Blick über ganz Edinburgh und die Umgebung bis weit in das Land. Der Crown Square, der Platz im Herzen der gesamten Anlage, ist von vier Gebäuden umgeben.

Der jüngste Bau ist das beeindruckende Scottish War Memorial mit Erinnerungstafeln und -büchern zum Gedenken an die schottischen Gefallenen der beiden Weltkriege und anderer kriegerischer Konflikte.

Im Queen Anne Building ist z.Zt. ein Restaurationsbetrieb eingerichtet worden. Die Räumlichkeiten werden auch für wechselnden Ausstellungen genutzt. James IV. ließ die Great Hall anläßlich seiner Eheschließung mit der englischen Prinzessin Margaret Tudor als Banketthalle und Repräsentationshalle bauen. Besonders eindrucksvoll ist in dieser Great Hall das mächtige, schön geschnitzte Deckengewölbe, das immer noch das ursprüngliche Dach trägt.

Heute liegen im Palast, hinter allerdings dicken Panzerglasscheiben, die schottischen Kronjuwelen. Neben anderen Kleinodien sind das: die schottische Krone - die zweitälteste Krone in Europa - das Staatsschwert und das Zepter, das König James IV. 1494 von Papst Alexander VI. bekam.

Nach 700-jähriger Abwesenheit liegt seit 1996 daneben aber auch der "Stone of Destiny", der historische Steine mit der größten Symbolbedeutung für Schottland. Vor der Burg ist die breite Esplanade (Paradeplatz) heute Ort friedlicherer Schauspiele. Einst wurden an dieser Stelle die Hexen verbrannt, doch heute findet auf der Esplanade das alljährliche und inzwischen weltberühmte Militärschauspiel - das Tattoo - statt.

Die Hauptstraße Old Edinburghs, die Royal Mile beginnt dann unterhalb der Burgesplanade. Nur wenige Meter diese Straße hinunter, wird Gladstone's Land von einigen etwas "jüngeren" Häusern eingezwängt. Dieses typische Mietshaus aus der Mitte des 17. Jh. ist noch ein Originalgebäude des Kaufmanns Thomas Gladstone, eines Vorfahren des späteren Premierministers der Queen Victoria. Er ließ das Haus am Lawnmarket für Familie und Dienstboten bauen. Der National Trust for Scotland hat es wieder so restauriert, wie es einst war: mit wunderschön bemalten Holzdecken, Wänden und einer hochinteressanten Küche. Die Originalmöbel und Einrichtungsgegenstände zeigen sehr schön, wie die Menschen in dieser Stadt im 17. Jahrhundert lebten.

Das Lady Stair's House, in einem Zwischenhof hinter Gladstone's Land gelegen, sollte ebenfalls unbedingt besucht werden. Selbst mit vielen Geschichten verbunden, enthält dieses Haus heute einen historischen Abriß über die drei bedeutendsten Schriftsteller Schottlands Robert Burns, Sir Walter Scott und Robert Louis Stevenson. Viele nostalgische Erinnerungen an diese großen Persönlichkeiten wie z. B. Notizen, Hüte, Pfeifen und Schreibwerkzeuge werden dort im Writer's Museum gezeigt.

Gegenüber Gladstone’s Land geht es durch Fisher’s Close hinunter zur Victoria Street und entlang dieser Straße an den photogen farbigen Häuserfassaden, Antiquitätenläden, Restaurants und kleinen Shops vorbei hinunter zum Grassmarket. Auf dem Grassmarket stand der Galgen und später Greyfriars Bobbyauch das erste Fallbeil der Geschichte - "The Maiden" - 200 Jahre vor dder französischen Guillotine. Das Original steht heute noch, nur 200 Meter weiter im National Museum. Greyfriars Kirk mit dem berühmten Friedhof liegt vom Grassmarket aus am oberen Ende der kurzen Kerzenmacher Gasse (Candlemaker Row). Besucher aus aller Welt kommen immer wieder in diesen Stadtteil, um den wohl berühmtesten Hund der Welt zu sehen - jedenfalls das Denkmal von Greyfriars Bobby.   Der Hund kam 14 Jahre lang täglich auf diesen Kirchhof und bewachte treu das Grab seines Herrchens, eines Polizisten, und erhielt später dafür sogar die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Walt Disney drehte an dieser Stelle den bekannten gleichnamigen Film. Dem Denkmal gegenüber liegt der moderne Erweiterungsbau des Royal Museum of Scotland

Mit seiner modernen Architektur in der historisch und teils sogar klassischen Umgebung hat das Gebäude sicherlich seine Kritiker. In jedem Fall ist es aber einer der bemerkenswertesten Neubauten Großbritanniens der letzten Jahre. Es ist nicht nur ein Kontrapunkt in der Architektur, sondern ganz besonders auch in der Präsentation der Schätze Schottlands. Dazu kommt, daß dieses neue Museum, das ausschließlich der Geschichte des Landes gewidmet ist, schon jetzt mit zu den führenden Museen seiner Art im Königreich zählt. Der Altbau des Museums ist ein beeindruckendes Gebäude mit Renaissancefassade. In diesem großen Museum verteilen sich über mehrere Stockwerke Ausstellungen zur Geschichte, Geologie, Wissenschaft und Technik, Mineralien und Fossilien etc. Ständig werden aber auch Spezialausstellungen eingerichtet.

Das Museum liegt direkt neben der Alten Universität und diese wiederum steht an der Stelle, an der einst vor den Toren der Stadt das Haus Darnleys stand, bevor es in die Luft flog.

Das größte Gebäude an der Royal Mile und eines der wichtigsten in der schottischen Geschichte ist die High Kirk of St. Giles. Diese Kirche, die allgemein bekannt ist als St Giles Cathedral stammt ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert. Heute ist das fast 900 Jahre alte Gebäude die High Kirk of Edinburgh die Hauptkirche der Stadt. Die imposante Turmspitze gehört zur charakteristischen Skyline Edinburghs.

Die Geschichte St. Giles ist untrennbar mit dem Reformator John Knox verbunden, der das Gebäude im 16. Jahrhundert zur Ausgangsbasis der schottischen Reformation gemacht hatte. Er predigte bis zu seinem Tod  1572 in dieser Kirche.

In St. Giles ist die kleine angebaute Thistle Kapelle besonders sehenswert. 1910 wurde sie mit reichen Verzierungen und Schnitzereien für den Gottesdienst der "Knights of the Most Ancient and Most Noble Order of the Thistle" erbaut. 1707 unterzeichnete das Schottische Parlament den Unionsvertrag mit England in dem Gebäude hinter St. Giles, in dem heute die höchsten Gerichte zusammentreten. Dieser öffentliche Saal ist allein schon wegen seiner wunderschön geschnitzten Originaldecke aus offenem Fachwerk sehenswert. Unter ihr ergehen sich die gegnerischen Anwälte paarweise auf und ab. Sie durchschreiten den Saal gemeinsam, damit ihre Argumente nicht mitgehört werden können. Während sie dabei ihren aktuellen Fall beraten, tragen sie oft noch ihren Habit, zu dem auch die traditionelle Perücke gehört. Das Schauspiel kann sich der Besucher gern anschauen aber nicht fotografieren. Über Jahrhunderte war das Mercat Cross hinter St. Giles der zentrale Treffpunkt des Stadtlebens. Von dieser Stelle wurden in der Geschichte dieser Stadt und werden noch heute wichtige Ereignisse der Öffentlichkeit bekanntgegeben.

Früher wurden am Mercat Cross aber auch Fürsten wie der Marquis von Montrose barbarisch hingerichtet. Unter dem Handelskreuz traf sich Ende des 18. Jh. während der Zeit des 'Schottischen Enlightenments' die gesamte geistige Elite Schottlands.

Gegenüber davon erhebt sich aus dem Tal das Rathaus, die City Chambers, das auf seiner Rückseite 13 Etagen hoch ist. Zwischen 1754-1761 wurde es ursprünglich als Handelsbörse über drei ins Tal führende Gassen gebaut. Darunter war die komplette Mary King's Close, die auch heute noch im Keller des Rathauses erThistle Orden - die höchste Auszeichnung Schottlandshalten ist. Diese Gasse wurde, der Sage nach, von den Stadtvätern im 17. Jh. an allen Ausgängen zugemauert mit allem, was noch in der Gasse lebte. Das geschah, als während der damaligen Pestepidemie in Edinburgh auch in Mary King’s Close die ersten Bewohner erkrankten. So ist es kein Wunder, daß es in dieser Gasse im Tiefgeschoß des Rathauses heute noch richtig spukt.

Die Tron Church, 100 Meter weiter die Straße hinunter, ist leider keine Kirche mehr. Wo heute dem Besucher in der Hülle der einstigen Tron Church die Altstadt in einer eintrittfreien Ausstellung nähergebracht wird, stand früher eine Waage. Der Wiegebalken, an dem die Gewichte der Kaufleute geprüft wurden, war der öffentliche Ort, um beispielsweise einen unehrlichen Kaufmann mit dem Ohr daran festzunageln. Schlitzohren gab es danach also auch in Edinburgh.

Gleich dahinter führt von der Royal Mile die North Bridge nach Norden. Sie war 1767 buchstäblich der erste "Brückenschlag" aus der Old Town über das Tal auf das Gelände, auf dem dann die Neue Stadt - the New Town - entstand. Nur etwas weiter die Royal Mile hinunter liegt das Museum of Childhood. Es ist vollgestopft mit wunderschönen Kindheitserinnerungen wie Spielzeug, Puppen und Teddybären zwischen Puppenhäusern, Büchern und historischen Puppenwagen. Es ist, wie die meisten Museen und Galerien der Stadt, kostenfrei zu besichtigen.

Schräg gegenüber liegt John Knox House. Dieses wiederum grenzt direkt an das vermutlich älteste Haus der Stadt, das Moubray House, in dem Daniel Defoe (1661-1731), der übrigens ein Spion für die englische Regierung war, 1710 seine Zeitung herausgegeben hat. Im John Knox House, das schon vor 1490 gebaut wurde, ist das Museum der Schottischen Kirche untergebracht. Es ist nach dem berühmten protestantischen Reformator benannt, obwohl nicht sicher ist, ob Knox jemals darin gelebt hat. Die Deckenbemalungen, hölzerne Galerien und Eichenholztäfelungen des ehemaligen Wohnhauses des Goldschmieds von Queen Mary sind aber sicherlich sehenswert. Kurz hinter dem Haus ist bald das geographische Ende der mittelalterlichen Stadt erreicht. Für viele Bewohner, die sich nicht in die ungeschützte Vorstadt der Canongate wagten, war einst an der heutigen Kreuzung der Royal Mile die "Welt zu Ende". Daher rührt der Name der Eckkneipe - "The World’s End".>

Netherbow Gate - mit frdl. Genehmigung der AADas Netherbow Gate, das bis in das 18. Jh. an dieser Stelle stand, war das östliche Tor in die Stadt. Das Tor wurde leider abgerissen, um mehr Platz für den wachsenden Verkehr zu schaffen. Die Grundrißkonturen des Tors können allerdings noch im Kopfsteinpflaster durch die dort eingelassenen Messingblöcke nachvollzogen werden. Vom Tor selbst gibt es aber eine verkleinerte Reliefnachbildung an der roten Fassade des Gebäudes hinter John Knox House zu sehen. Besucher der Royal Mile sollten es nicht versäumen, bei ihrem Bummel diese Straße hinunter auch in die Seitengassen, die Closes, zu schauen und in die Höfe durch die dunklen Durchgänge zu gehen.

Gegenüber und auf der anderen Seite der Straßenkreuzung begann die Stadt Canongate, die bis 1865 vollkommen unabhängig von Edinburgh war. Canongate hatte ein eigenes Rathaus - das Canongate Tolbooth. In dessen Umgebung und diesem unteren Teil der Royal Mile haben die vielen schönen Gebäude aus dem 17.- 19. Jh., wie in der Edinburgher Altstadt, ebenfalls alle ihre eigene interessante Geschichte. Das Canongate Tolbooth mit der großen viktorianischen Uhr an der Fassade birgt in sich heute die People's Story. Dies ist ebenfalls ein Museum, das in diesem Fall die Geschichte der einfachen Leute von Edinburgh vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum heutigen Tag erzählt.

Während sie in der Stadt weilt, fährt die Königin vom Palast kommend die wenigen Meter zur Andacht nebenan in die Canongate Church. Eine ganze Anzahl hochinteressanter Persönlichkeiten ist auf dem kleinen Friedhof dieser Kirche begraben. In diesem Grund ruht u.a. auch Adam Smith, dessen Philosophie und Buch ("Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations" oder kurz "The Wealth of Nations" 1776 zum Grundstein der freien Marktwirtschaft wurde.

Palace of HolyroodhouseAm Ende der Royal Mile und an der Stelle des dortigen Palastes befand sich einst der dichte Wald von Drumsheugh. Nach einer Landschenkung König Davids I. wurde 1128 in diesem Tal zunächst die Abtei zum heiligen Kreuz (Holy Rood) gegründet. 1501 wurde dann das Gästehaus der Abtei zur königlichen Residenz umgebaut und erweitert. Im August 1561 und im Alter von 18 Jahren kehrte Maria Stuart nach dem Tod ihres ersten Ehemanns des französischen Königs Franz II. dorthin zurück. Die Königin der Schotten (Queen of Scots) residierte für die nächsten sechs Jahre in Holyrood. In diesem Palast geschah auch der Mord an David Riccio.

Besonders sehenswert sind heute die prachtvollen Staatsgemächer mit den üppigen Stuckdecken und dem opulenten Mobiliar aus dem 18. Jh. Dazu kommen noch die zahlreichen flämischen und französischen Gobelins und die umstrittene Porträtsammlung von über 80 schottischen Regenten. Heute ist der Palace of Holyroodhouse jedes Jahr im Juni und auch zu anderen Gelegenheiten die offizielle Adresse der britischen Monarchin und dann natürlich für die Öffentlichkeit gesperrt. Gegenüber dem Palast entsteht z.Zt. das neue Schottische Parlament (Scottish Parlament) nach den Entwürfen des spanischen Architekten Enric Miralles.

New Town

Zu Beginn des 18. Jh. war der Punkt erreicht, daß die Stadt Edinburgh, die bis dahin nur aus der jetzigen Altstadt bestand, buchstäblich aus allen Nähten zu platzen drohte. Entlang der Royal Mile lebten seinerzeit auf einem Areal von knapp 55 ha. (0.55 km²) rd. 50.000 Menschen ohne fließend Wasser, ohne Abwasser und ohne sanitäre Einrichtungen. Der damalige Bürgermeister George Drummond hatte schon 1725 die Idee, das Gebiet unmittelbar nördlich der Senke des Nor Lochs für eine neue Stadt zu erschließen.

Im Gegensatz zur geschichtsträchtigen Altstadt besteht die gesamte New Town in ihren verschiedenen Bauabschnitten großenteils aus klassizistischen Gebäuden des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, angelegt entlang zunächst geometrischer Straßenzüge.

Die gesamte Georgianische Architektur und die Anlage des Charlotte Square beruht auf dem Entwurf eines der größten Architekten Großbritanniens - des Schotten Robert Adam.Die beste Vorstellung von Lebensart und Einrichtung gutsituierter Familien des 18. Jahrhunderts wird wohl im feudalen Georgian House im Haus Nr. 7 Charlotte Square vermittelt. Zwei Straßen weiter nördlich liegt in Heriot Row das Haus Nr. 17 von Robert Louis Stevenson. Der weltbekannte Autor der "Schatzinsel" lebte dort zwischen 1857 und 1878 als Kind einer großen Ingenieursfamilie.

Das neoklassische Gebäude hinter der Royal Scottish Academy beherbergt die National Gallery. Schottlands großartige Nationalgalerie ist z.Zt. noch eintrittfrei. In dem Gebäude, das von dem Edinburgher William Playfair im klassisch griechischem Stil erbaut wurde, wird Kunst vom Mittelalter bis zum Impressionismus geboten: Holbein, Raffael, Rembrandt, Tintoretto, Gainsborough, Raeburn und Ramsay, Turner, Cezanne, dazu van Gogh u.v.a. Nicht nur Bilder sind in der National Gallery zu sehen, sondern auch Skulpturen und Büsten wie z. B. die vor wenigen Jahren heiß umkämpften „Die drei Grazien" von Canova, die Paul Getty I. gern in die USA "entführt" hätte. Davor wurden sie jedoch durch Spenden von £8 Mio. - u. a. auch von Baron Thyssen - gerettet. Trotzdem ist der Eintritt natürlich auch hier frei!

In unmittelbarer Nachbarschaft der National Gallery liegt das Scott Monument. Dieses neugotische Denkmal ist 201 ft (65 Meter) hoch und kann gegen ein geringes Entgelt über 287 Stufen für einen grandiosen, aber buchstäblich atemberaubenden 360° Rundblick bestiegen werden. Es wird geziert durch zahlreiche kunstvolle steinerne Ornamente und Skulpturen. Dies sind die Charaktere von Scotts Romanen wie z.B. der "Waverley Novells" etc. Der Turm erhebt sich über der Statue des Meisters, zu dessen Füßen sein Lieblingshund Maida liegt. Ein Steinwurf weit davon liegt das Balmoral am östliche Ende der Princes Street. Es ist ein Luxushotel mit fünf Sternen und war bis in die 70er Jahre ein Prunkhotel der British Railways.

Weiter nach Osten hin und in der Verlängerung der Princes Street wird der Blick am Balmoral vorbei automatisch auf den Calton Hill geleitet. Zu Füßen dieses Hügels liegt hinter hohen Mauem der Old Calton Burying Ground, ein düsterer Friedhof mit den Gräbern einiger interessanter und auch berühmter Persönlichkeiten. Eines der schönsten Grabmale dort ist das des bekannten schottischen Philosophen David Hume, das von seinem Freund aus der Zeit des Scottish Enlightenment dem Architekten Robert Adam geschaffen wurde.Gleich neben dem Friedhof erhebt sich der 30er-Jahre Bau des St. Andrew's House. In dem Gebäude haben jetzt verschiedene staatliche Behörden ihren Sitz. Der größte Teil der Verwaltung ist allerdings in den Neubau des Scottish Office (s.u.) nach Leith verzogen oder wird teilweise wohl auch in dem noch zu bauenden Parlamentsgebäude untergebracht werden.

Schräg gegenüber liegt schaut die ehemalige Royal Highschool auf den großen Hügel von Arthur's Seat. Einst trug der heute von Smog geschwärzte, neoklassische Bau der ehemaligen Schule auf Grund seiner Architektur mit dazu bei, daß die Stadt ihren Spitznamen "Athen des Nordens" bekam. In seiner ersten Funktion als Schule hat der Bau allerdings längst ausgedient.

Wer nicht unbedingt zu Fuß zum Arthur's Seat hinauf marschieren möchte, hat auch vom Calton Hill einen phantastischen Ausblick auf die Stadt.Die Ruine des im 19. Jh. begonnenen Nationalen Kriegerdenkmals sollte an die gefallenen schottischen Soldaten während der Napoleonischen Kriege erinnern. Doch während des Baus wurde das Geld knapp und so ragen von dem beabsichtigten Nachbau des Athener Parthenons nur zwölf einsame dorische Säulen in den Himmel, oder war das Denkmal so geplant? Hiesige Meinungen gehen darüber auseinander.Wer noch höher hinaus will, hat, je nach Wetterlage, vom 30 m hohen Rundturm des Nelson Tower einen noch weiteren Panoramablick. Die unverkennbare Silhouette dieses Turms ist von vielen Seiten der Stadt und besonders von der Princes Street aus sichtbar.Gegenüber steht mit der runden Kuppel das ehemalige Royal Observatory, das ebenfalls nach Plänen von James Craig erbaut wurde. Fotografen haben vor allem bei Sonnenuntergang vom Calton Hill ein wunderschönes Motiv über die Princes Street, zum Castle und überhaupt einen sehr romantischen Blick über die Stadt.

Leith - der Hafen Edinburghs

Das gesamte Gelände befindet sich jedoch z. Zt. im Umbau und der Restaurierung. Das Scottish Office - die ministerielle Verwaltung des neuen Schottlands - zog in diese Hafenlandschaft und ließ sie wieder blühen. Hinter diesem riesigen Regierungsgebäude wird der sog. „Ozeanterminal" als eine der großen Attraktionen in der Stadt gebaut, von denen eine allerdings schon jetzt permanent davor liegt. Mit einem eigenen Informationszentrum ist die außer Dienst gestellte königliche Yacht „Britannia" seit 1998 das Ziel vieler Besucher Edinburghs. Mit einem enormen finanziellen Aufwand wurden die alten Lagerhallen, die Häuserzeilen entlang der Flußmündung des Water of Leith und in anderen Stadtvierteln umgebaut und renoviert. So entstand und mischt sich jetzt sehr schön Neues wie Büros und Restaurants geschickt und attraktiv im wiedererstrahlten alten Gewand. Kein Wunder also, daß in diesem Teil der Stadt inzwischen die Haus- und Grundstückspreise enorm gestiegen sind. Die Restaurants rangieren von einfach bis sehr teuer, wobei eines für fast alle gilt - sie sind durchweg gut und haben ein internationales Spektrum. Doch natürlich gibt es vor allem im Hafenbereich immer noch reichlich vom alten Leith zu sehen und zu entdecken.

Der herrliche, große und inzwischen über 300-jährige Botanische Garten Edinburghs genießt Weltruf. Er wurde 1820 nach dreimaligem Umzug von anderer Stelle endgültig nach Inverleith in einen 283.000 m2 (ca. 28 ha.) großen Park verpflanzt Mit seinen über 1.8 Million Pflanzen ist dieser Garten eine der ganz großen Sehenswürdigkeiten Schottlands. Sein Artenreichtum scheint unerschöpflich. Der schließt ein: einen Chinesischen Garten, einen alpinen Steingarten, die tropischen Gewächshäuser, die gewaltige Rhododendronanlage, die die größte Sammlung ihrer Art in der Welt sein soll und neuerdings wieder einen riesigen Heidegarten. All das ist eingebettet in einen Park mit herrlichen Bäumen und zahllosen Pflanzen u.v.a., der ein wunderschönes georgianisches Herrenhaus umschließt. Dieses Haus bildet heute den passenden Rahmen für ständig wechselnde Kunstausstellungen. Es ist wohl auch kein Wunder, daß der Botanische Garten nebenbei auch noch in der gesamten Fachwelt für seine wissenschaftlichen Pflanzenbestimmungen berühmt ist. Obwohl dies ein wissenschaftlich botanischer Garten ist, verspüren Besucher fast nichts davon und genießen nach dem (wieder einmal) freien Eintritt eine über das ganze Jahr ständig variierende Blumenpracht und Pflanzenauswahl in einer herrlichen Parklandschaft.

Abschließend einige interessante Tatsachen und Links über Edinburgh und Informationen über Edinburgh Airport

 

...und dann bleibt da nur noch die Frage:

Wann besuchen Sie dieses herrliche Land?

... und wir arbeiten weiter daran - an dieser Website!

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